Geht es eigentlich um Damenkleidung?

matthias
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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon matthias » Mi 2. Nov 2016, 18:28

Hannes73 hat geschrieben:Was aber wohl viele von uns umtreibt und beschäftigt, ist eben die Frage "darf ich das?" und dann auch "brauche ich das?!".
Was darf ich? Ganz generell darf ich alles Mögliche ausprobieren, wozu ich Lust habe, wenn ich nicht gegen die Gefühle meiner Partnerin agiere, und wenn ich mögliche Konsequenzen meines Handelns mit mir selbst vereinbaren kann.
Was brauche ich? Eine Spielwiese, auf der ich mich ausprobieren, experimentieren, mich entfalten und meine individuellen Bedürfnisse ausleben kann. Sicher brauche ich es nicht zum Überleben, aber da bräuchte ich auch manch anderes nicht, Bücher lesen, Kino, Restaurant, Shoppen usw.

Herrenkleidung: Hose, Shirt, Jacke, vom Schnitt her keine weltbewegenden Unterschiede, von der Farbauswahl langweilig, wenn Farben, dann gedeckt. Da passt fast alles zu allem.
Damenkleidung: Rock, Strumpfhose, Shirt, Cardigan, jedes dieser Teile mit verschiedenen Formen, Schnitten, Mustern und Farben. Hier wird die Zusammenstellung interessanter, weil nicht mehr alles zu allem passt.

In Herrenkleidung stosse ich nicht so oft auf Zusammenstellungen, die ich vermeide, weil sie meiner Meinung nicht zueinander passen. Bei den meisten Zusammenstellungen gehe ich davon aus, dass die Teile zueinander passen. Ich habe hier nie Fotos von mir selbst gemacht, um das wirklich zu kontrollieren, sondern gehe davon aus, dass es passt.

In Damenkleidung mache ich öfters Fotos von mir selbst und schau mir da an, wie die Zusammenstellungen wirken. Mein Blick darauf ist also kritischer, oder andersherum gesagt: weniger selbst- oder stilsicher. Alles Mögliche an verfügbarer Kleidung kann und will ich auch gar nicht ausprobieren, z.B. mag ich knielange Jeansröcke, aber keine Plissee- oder Maxiröcke.

Auf den Fotos sehe ich zunächst, dass eine geometrisch andere Wirkung da ist. Knielanger Rock und Strumpfhose wirken anders als Leggins mit langem po-bedeckendem Pullover und wieder anders als Hose mit Herrenpullover, der gerade knapp bis über den Hosengürtel reicht, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Ich will nun nicht werten, dass der eine optische Eindruck besser wäre als der andere. Aber ich möchte für mich selbst gern mehr Varianten, mehr Geometrien, die über die normale Herrenbekleidung hinausgehen. Diesen optischen Eindruck von mir selbst nehme ich im Spiegel wahr, auf Fotos, beim Sitzen wirkt es anders, aber beim normalen Gehen kriege ich selbst davon kaum was mit.

Das Material von Bekleidung aus der Damenabteilung fühlt sich oft leichter, geschmeidiger, sanfter an als das, was man in Herrenabteilungen findet. Relevant sind diese Unterschiede vor allem bei der Kleiderauswahl und beim Anziehen. Dann dieses Gefühl, dass ich lieber was Enges um meine Beine trage, was auch geschmeidiger und dehnbarer ist als jede Hose. Beim Tragen selbst rückt das meist in den Hintergrund, ich bin mir nicht dauernd darüber bewusst, was ich am Leib trage. Das macht sicherlich auch die Gewohnheit, dass ich seit fast zwei Jahren in der Freizeit kaum noch Herrenkleidung trage.

Und wieder zurück zu den Fotos: Was ist bei der Vielfalt an Formen und Farben tragbar? Was passt zusammen? Wenn mir ein Shirt, ein Pullover, eine Jacke gefällt, von Form und Farbe her, kaufe ich auch in der Herrenabteilung. Röcke, Leggins und Strumpfhosen finde ich da nicht, also Damenabteilung. Mit der Zeit ergeben sich gewisse Vorlieben, warum auch nicht? Ich trage gern Jeansröcke, Bleistiftröcke, aber keine zu ausgeprägte A-Linie, kein Wickelrock, kein Abendkleid. Es gibt Kombinationen, die ich problemlos trage. z.B. Jeansrock, schwarze Thermostrumpfhose, Rundhalsshirt mit Ringelmuster, long Cardigan. Oder im Sommer Rock, keine Strumpfhose, T-Shirt. Es gibt andere Kombinationen, von denen ich dachte, dass es passt, die aber auf Fotos nach gar nichts aussehen. Darüber hinaus, unabhängig von Fotos, gibt es die Kategorien:
1. ich fühl mich sicher,
2. Leichte Unsicherheit, wenn ich z.B. mal dezente dunkelblaue oder anthrazitfarbene Thermostrumpfhosen trage.
3. ich weiss nicht recht, ob ich mich so auf die Strasse wagen kann, traue mich aber trotzdem, z.B. mit farbigen Strumpfhosen oder mit schwarzen 60 den, fühle mich dann aber doch auch leicht beobachtet.
4. Kombinationen, die ich als nicht passend finde. Sollte ich sowas doch mal ausprobieren, weil ich irgendeine Frau so gesehen habe, kann mir das vielleicht anschliessend auf einem Foto gefallen, muss aber nicht.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich mir mit der Bekleidung auf einigen Fotos sehr gut gefalle, auf anderen wieder überhaupt nicht. So geht die Ausrichtung dahin, mich so zu kleiden, dass es mir auf den Fotos gefällt, dass ich mich damit wohlfühle und mich auch so ziemlich sicher präsentiere. Manchmal gibt es auch irgendwas, was mir nicht gefallen hat, mir später aber doch gefällt. Manche Farb- oder Musterkombinationen finde ich auf den Fotos unmöglich. Allerdings darf ich eins noch hinzufügen: Wenn ich Frauen beobachte, wie sie sich kleiden und kombinieren, dann finde ich das manchmal auch unmöglich und für mich abschreckend. Aber machen sie auch in jeder Bekleidung Fotos von sich und gehen damit kritisch um? Es passt eben nicht immer alles zusammen, und auch Frauen können daneben greifen.

Und trotzdem taucht dann oft genug wieder die Frage auf: "Wozu mache ich das überhaupt?" Dann dreht sich alles wieder im Kreis. Rebellion? Emanzipation? Avantgardismus? Mode? Erweiterung der Kleidung? Wieder mal stellen sich die großen Fragen als irrelevant heraus. Die einzig überzeugende Antwort: Weil es sich gut anfühlt, und weil es mir gefällt.

Menschen stecken andere gern in Schubladen. Schubladendenken ist geistiges Eigentum. Und ein vereinfachtes Bild der Welt im jeweiligen Kopf. Wäre allen Leuten auf der Stirn geschrieben, dass sie Briefmarkensammler ("Ach, schau mal der da") oder Professor ("Einer aus dem Elfenbeinturm") oder sonstwas wäre, dann könnten die Leute andere noch viel mehr in Schubladen stecken. Manche Frau läuft mit knallgrün oder gelbgefärbten Haaren herum, weil sie es für cool hält ("Hast du die gesehen?"). Die kann man leichter in eine Schublade schieben, weil da ja was nach aussen sichtbar ist. Es gibt reichlich Situationen, wo irgendwer irgendwen wegen irgendwas in eine Schublade steckt. Und so gibt es sicher reichlich Leute, die mich in eine Schublade stecken, wenn sie mich als Mann mit Rock und Strumpfhose sehen. Wenn das die Auswirkung gesellschaftlicher Normen ist, dass ich in eine Schublade gesteckt werde, dann kann ich das für mich in Kauf nehmen.

matthias

Paule
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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon Paule » Mo 7. Nov 2016, 20:17

Hallo Klaus,
Klaus Weber hat geschrieben:Nein, ich muss mich nicht fragen, warum ich Damenkleidung trage und nein, ich muss mich auch in keine Schublade stecken (lassen). Denn ich weiß, warum ich diese Kleidung trage: weil es mir unheimlich gut gefällt und weil ich es für mein seelisches Gleichgewicht brauche. Es tut mir einfach gut. All das sind Gründe genug, die nicht hinterfragt werden müssen.
Natürlich musst Du Dich nichts fragen, auch wenn mein Beitrag vielleicht so klang, Dich auch nicht in eine Schublade stecken lassen. Ist ja O.K., wenn Du das wie oben beschrieben siehts.

Paule, frag nicht so viel, sondern lebe. Manche Dinge muss man spontan umsetzen, ohne erst groß zu überlegen. Rational betrachtet hat man ansonsten wieder Angst vor der eigenen Blockade: was denken die anderen über mich? Und wenn überlegen, dann sollte die Antwort öfters lauten: Scheiß egal!
Aber lass auch mich doch die Fragen stellen, die mich beschäftigen. Wenn ich mich anders kleide als die meisten anderen Männer, mich auch an der Kleidung bediene, die eigentlich dem anderen Geschlecht zugedacht ist, interessiert mich eben, was mich dazu bringt, interessiert mich, weshalb ich das tue. Und die Fragen an andere und ihre Antworten können mir helfen, über mich selbst klarer zu werden. Ich finde, auch dazu ist so ein Forum da.

Beste Grüße
Paule

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Klaus Weber
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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon Klaus Weber » Mo 7. Nov 2016, 20:50

Paule hat geschrieben:...
Aber lass auch mich doch die Fragen stellen, die mich beschäftigen. Wenn ich mich anders kleide als die meisten anderen Männer, mich auch an der Kleidung bediene, die eigentlich dem anderen Geschlecht zugedacht ist, interessiert mich eben, was mich dazu bringt, interessiert mich, weshalb ich das tue. Und die Fragen an andere und ihre Antworten können mir helfen, über mich selbst klarer zu werden. Ich finde, auch dazu ist so ein Forum da. ...
Stimmt natürlich und es spricht auch nichts dagegen, Fragen zu stellen und passend dazu auch gleich den eigenen Standpunkt aufzuzeigen. Nur leider hast du genau das nicht (gleich) gemacht.

Dennoch - wenn man sich immer erst fragt, warum und soll ich jetzt wirklich, dann wird der Verstand (bzw. die eigene Angst) einen Rückzieher machen, was in den meisten Fällen sicherlich Schade wäre.

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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon Klaus » Di 8. Nov 2016, 14:37

Wenn man beginnt, die eigene Leidenschaft für weibliche Kleidung zu hinterfragen, wird es kompliziert. Warum fasziniert es einen, sich in Hüfthalter oder Mieder zu zwängen? Was reizt einen daran, Rock und Pumps anzuprobieren? Der Verstand wird einem keine Antwort liefern, denke ich. Es ist eine Sache des Gefühls, des Wohlfühlens, vielleicht auch der Wunsch, etwas Weibliches, das da in einem steckt, auszuleben?

Mich hat - besonders als Jugendlicher - die Frage beschäftigt, warum ich offenbar anders war, als meine Freunde und die anderen um mich herum. Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden. Erklärungsversuche vielleicht, da ich in einem Frauenhaushalt aufgewachsen bin, d. h. ohne das männliche Element.
Warum sollte ein das schöne Gefühl, Mieder und Nylon zu tragen, nur den Damen vorbehalten bleiben?

Paule
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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon Paule » Di 8. Nov 2016, 20:44

Hallo Klaus,
Klaus hat geschrieben:Wenn man beginnt, die eigene Leidenschaft für weibliche Kleidung zu hinterfragen, wird es kompliziert.

Ja, dann wird es kompliziert. Aber nicht auch spannend?
Warum fasziniert es einen, sich in Hüfthalter oder Mieder zu zwängen? Was reizt einen daran, Rock und Pumps anzuprobieren? Der Verstand wird einem keine Antwort liefern, denke ich. Es ist eine Sache des Gefühls, des Wohlfühlens, vielleicht auch der Wunsch, etwas Weibliches, das da in einem steckt, auszuleben?
Aber gerade Deine zweite Vermutung, dass vielleicht auch der Wunsch, etwas Weibliches auszuleben, bringt doch auch den Verstand und eine mögliche Erkenntnis über einen selber ins Spiel, im konkreten Falle Dich.

Man muss sicher nicht alles ergründen, das schafft man in der Tat nicht. Aber es dann und wann mal zu versuchen, auch mit Hilfe des Verstandes, schadet auch nicht ;-).

Beste Grüße und vielen Dank für Deinen, Euren Input
Paule

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steefi
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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon steefi » Mi 13. Dez 2017, 15:48

Die hier diskutierten Fragen und Antworten beschäftigten mich in meiner Jugend in der es noch kein Internet und deswegen auch keine Antworten darauf gab sehr. Gelobt sei das Internet in dem man sehen kann, daß man nicht alleine ist - das dachte ich nämlich immer: Nicht schwul und Damenwäscheträger - ich muß eine ganz große Ausnahme sein. Heute fühle ich mich BEDEUTEND besser !

Luiselotte
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Re: Geht es eigentlich um Damenkleidung?

Beitragvon Luiselotte » Fr 15. Dez 2017, 11:56

Ich trage Kleidung in der ich mich wohl und authentisch fühle
Das diese überwiegend aus der Damenabteilung kommt ist mir egal
Gottlob unterstützt mich meine Ehefrau und mein Umfeld und die Familie kennt mich nur so
Im Job trage ich bussinessuniform, aber mit femininen Accessoires
Liebst luiselotte


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